neue Autos sind keine Alternative, sondern eine Verlagerung des Problems

Es gibt wohl kein Sender, keine Zeitung, die nicht von der drohenden Klimakatastrophe berichtet. Von den Medien dermaßen hochgepuscht, von den Politikern als ernste Bedrohung eingestuft. Die neue Achse des Bösen. Waren es vor einigen Jahren noch die Terroristen, die immer wieder böse angeguckt wurden, sind es jetzt die Autofahrer. Ja, ich weiß, ich übertreibe, wie immer. 

Die Regierungen wollen Druck auf die Autoindustrie ausüben, damit diese endlich mal sparsamere Autos entwickeln. Neue Technik macht’s möglich. Denkste. Wer weiß schon, dass der Golf früher (Golf I D 6,03 Liter) viel weniger auf 100 km verbraucht hat, als die heutige Version (Golf V TDI 6,83 Liter)? Kaum einer. Es ist aber so.
Im Gegensatz zu mir interessiert sich mein Vater für alte Autos. Deswegen war ich doch erstaunt, als er mich fragte, ob ich wusste, dass der Hummer H3 umweltfreundlicher ist, als das neue Hybrid-Auto Prius von Toyota.
Da wurde ich hellhörig und fing an, zumindest kurzzeitig, Interesse an Autos zu zeigen. Im der Zeitschrift „Oldtimer Markt“ in der Ausgabe 7/2008 gibt es ab Seite 10 einen interessanten Artikel, der im Grunde genau das beschreibt, was ich schon seit Jahren sage. Wie diesem Artikel so schön zu entnehmen ist, ist nicht der momentane Verbrauch an Sprit, noch der Ausstoß von CO2 der Fahrzeuge das Problem. Das Problem zieht sich eher wie ein Rattenschwanz nach sich bzw. eigentlich beginnt das Problem schon bei der Herstellung der Fahrzeuge.
Wer in Physik einmal aufgepasst hat, kennt den Energieerhaltungssatz. Energie geht nicht verloren, sie ist nur woanders oder in anderer Form. Ist fast so wie mit meinem Geld, das ist auch immer woanders. 😉
Hier ein kleines Beispiel (ja, ich weiß, die Werte stimmen nicht, sind übertrieben, sie dienen nur zur Anschauung):
Wenn die Herstellung eines Fahrzeuges ca. 10 Tonnen CO2 kostet, das Fahrzeug ungefähr 5 Jahre hält (Neuwagen halten leider nicht mehr länger) und in der Zeit ungefähr 10 Tonnen CO2 ausstößt. Rechnen wir mit 10 Tonnen CO2 für die Entsorgung, dann macht das ca. 30 Tonnen für das Fahrzeug. Das wäre, sagen wir mal ein Auto, das vor 10 Jahren gebaut wurde.
Nun kommt ein neues, dieses Jahr gebaut. Die Herstellung benötigt nun, wegen neuer Materialien und Techniken nicht mehr 10 sondern 15 Tonnen CO2, dafür erzeugt das Fahrzeug nur noch 1 Tonne CO2. Die Entsorgung des Fahrzeuges, aufgrund der neuen Giftstoffe und Technik, liegt jetzt bei 20 Tonnen CO2. Macht zusammen 36 Tonnen.
Ja, aber, sagen jetzt viele, man müsse die neue Technik berücksichtigen, die verbraucht weniger. Nein, tut sie nicht. Stahlherstellung benötigt viel weniger Energie als Aluminiumherstellung. Zur Info, die Automobilhersteller gehen zur Leichtbautechnik mit Aluminium über.
Hybrid oder Elektroautos, der Ausweg! Nein, nicht doch… Wann fangen die Menschen eigentlich mal an zu denken? Gar nicht. Ich will mich nicht auf eine Technologie festlegen, aber können wir nicht einfach mal eine Technik von Anfang bis Ende durchleuchten, ehe wir sie zur rettenden Technologie erklären und alles andere als Müll? Nein, scheint wohl nicht so, sonst würden sich die Leute auch mal Gedanken um die Entsorgung machen. Oder was machen wir aus den alten Akkus der Hybrid- und Elektroautos? Neue Sitzmöbel? Wohl kaum. Diese hoch giftigen Dinger müssen irgendwie entsorgt werden, was wiederum Energieaufwand bedeutet.
Also, was ist nun wirklich besser?
Zitat aus dem Artikel: „Dem Weltklima ist es letztlich egal, ob CO2 durch einen Auspuff oder einen Fabrikschornstein in die Atmosphäre gelange“.
Weiter wurde davon berichtet, dass die Akkus bzw. die Rohstoffe für die Akkus des Prius erstmal um die halbe Welt reisen, bevor sie zusammengebaut werden, sie kommen nämlich aus Kanada. Die Abbaustellen der Rohstoffe gelten nicht gerade als Umwelt freundlich, sei aber für die NASA als Testgelände für die Marssonden bestens geeignet.
Ein weiterer Aspekt des Artikels ist, dass davon ausgegangen wird, dass sich der hohe Energieaufwand erst mit einer gewissen Laufzeit rentiert. Je länger ein Auto auf der Straße bleibt, um so mehr schont es die Umwelt. Klingt blöde, ist aber so. Der im Artikel erwähnte Super-GAU „…, wenn ein nagelneuer Audi A8 direkt an der Werksausfahrt in einen Totalschaden verwandelt würde, […] dann war der enorm hohe Energieaufwand für die leichte Aluminiumkonstruktion für die Katz.“.
Recht haben sie, aber was soll man bei einer Wegwerf-Gesellschaft erwarten? Kaufe ich mir heute einen Blue-Ray-Player ist er morgen schon hinfällig, weil er über den Kopierschutz auf der schwarzen Liste steht und neue Filme nicht mehr abspielt, kaufe ich mir halt einen neuen. Was ist hier mit dem Herstellungs- und Entsorgungsaufwand? Wie viel CO2 könnte man hier sparen?
Aber CO2 ist bei der Heimtechnik ja gar kein Thema, sondern das Stickstofftrifluorid (NF3). Das was? Ein kleines Molekül, das sich klammheimlich als 17.000 mal Klima-potenter als Kohlendioxid herausstellt. Es wird zur Herstellung von Fachbildschirmen verwendet und ist zurzeit noch nicht im Kyoto-Protokoll aufgekommen, weil es damals (1997) noch nicht in diesen Mengen vorhanden war. Es wird zum Reinigen der Anlagen zur LCD-Herstellung benötigt, um die Glassubstrate von Rückständen zu befreien.
Auch scheinen viele Verbraucher gar nicht zu wissen, dass die Verbrauchsangaben der Autohersteller nicht die reellen Zahlen sind. Hierbei handelt es sich vielmehr um im Labor bzw. Testbetrieb ermittelte Werte, die auf der Straße nie erreicht werden. Als Trauerspiel sei hier kurz die im Artikel angesprochenen, starken Abweichungen der neuen Hybrid-Autos um die 40 % der angegebenen Werte erwähnt.
Und was passiert mit den alten Autos? Die Meisten von ihnen werden ins Ausland verschifft, in den Nahen Osten oder in Dritte Welt Länder. Dort werden sie dann bis zum Auseinanderfallen weiter betrieben. Auch nicht gerade klimafreundlich. Hier sollten wir mit einem guten Beispiel vorangehen und solche Autos gleich verschrotten, aber wer will das schon? Hauptsache wir kümmern uns um die Umwelt, ach Entschuldigung, nicht die Umwelt, die steht nicht zur Diskussion, sondern das Klima. Klimaschutz hat nichts mit Umweltschutz zu tun und wird wohl bei den nächsten Wahlen auch nicht zur Debatte stehen.