oder warum die Gesellschaft verblödet

„Marketing Technisch habe ich alles richtig gemacht“, sagte mal eine studentische Aushilfe bei uns in der Firma. „Ja, das mag sein, aber Du hast das Projekt voll an die Wand gefahren!“, war meine Antwort. Die anschließende Diskusion, in der er mir lauter Fachbegriffe an den Kopf warf, um sich zu verteidigen, lass ich hier einmal weg.
Das sich bei uns ab und zu auch fertig studierte Frauen bewerben, die gerne „intim arbeiten“ („im Team arbeiten“ sollte es wohl heißen), daran haben wir uns bereits gewöhnt. Auch die Bewerbungen vom Typ „Finde die richtigen Wörter“, sorgen für ein heiteres Betriebsklima.

Seit einiger Zeit gibt es nun ja auch für Nichtstudenten die Möglichkeit sich bei studiVZ einzunisten, indem sie über meinVZ sich anmelden. Ich wurde schon früher von einigen Bekannten gefragt, warum ich nicht bei studiVZ bin. Ganz einfach, ich studiere nicht. Daraufhin wurde mir mitgeteilt, die meisten studieren ja gar nicht, sondern geben einfach nur eine Uni an, es wird ja nicht überprüft. Ich gehöre aber nicht zu den Leuten, die sich mit fremden Federn schmücken. Dafür bin ich zu ehrlich. Ja, ich weiß, ehrlich zahlt am längsten.
Gut, habe mich dann also bei meinVZ angemeldet und mich ein bisschen umgeschaut. Da bin ich auf eine Gruppe bei studiVZ gestoßen: „Jeder weiß, was ein Studi oder Schüler ist, aber was ist ein Mein?“. Klar, das so eine Frage von einem vermeintlichen Studenten kommen musste. Hierbei handelt es sich nämlich wieder um einen klaren Fall von: Ich hab vergessen zu denken! Warum? Nun, vielleicht sollte man sich einmal fragen, wofür studiVZ eigentlich steht, nämlich für Studenten Verzeichnis. Klingelt da was? Nein? Wenn ein studiVZ ein Studenten Verzeichnis ist, dann ist ein meinVZ, na? Genau! Mein Verzeichnis. Über die Sinnhaftigkeit sei hier mal nicht weiter eingegangen, ist vermutlich auch von einem Studenten oder Studierten entworfen worden. Vielleicht wäre hier ein jedermanVZ oder alleVZ angebrachter gewesen.
Aber was noch viel schlimmer ist, wir suchen ja immer wieder nach Programmierern. Da hängen wir Zettel in Unis aus und schalten Anzeigen. Was sich dann bei uns so bewirbt, oh je. Kein Wunder, dass die großen Firmen immer über Fachkräftemangel schimpfen. Da kommt ein fast fertig studierter Informatiker bei uns zum Probearbeiten, setzt sich vor dem Rechner, schubst die Mouse an und sagt: „Der Rechner geht nicht.“. Auf die Frage, ob er ihn auch eingeschaltet hätte, fragte er nur: „Wo denn?“. Also, als Informatik-Student sollte man schon eine gewisse Vorbildung aufweisen was Computer angeht, besonders, wie man sie einschaltet!
Das Erfassen von komplexen Abläufen und deren Umsetzung scheint wohl auch nicht das Wahre zu sein. Viele der Bewerber sagen dann: „Das Programm ist viel zu groß, arbeite lieber an kleinen Webseiten“. Ja, so eine einfache Webseite ist natürlich übersichtlicher, solange der Kunde keine komplexeren Sachen verlangt.
Aber zur Wurzel allen Übels, kurz die Achse des Bösen. Es sind nicht die Studenten oder Schüler, die die Schuld trifft, zu mindestens nicht nur. Wenn ich an meine Schulzeit zurück denke, muss ich sagen, ja es gab da schon den einen oder anderen Lehrer, der etwas fehl am Platze war. Solche Lehrer sind es dann wohl auch, die sich über spickMich.de beschweren, weil sie eine schlechte Bewertung kassiert haben. Aber mal im Ernst, die Schüler werden auch benotet und müssen etwas für gute Noten auch was leisten. Lehrer werden überhaupt nicht überprüft. Einige unterrichten immer noch den Stoff, den sie zu Beginn ihrer Lehrerschaft gelernt oder erarbeitet haben. Einige der Lehrer denken immer noch, dass unser Sonnensystem aus neun Planeten besteht. Nur zur Info: es sind nur noch acht Planeten und drei Zwergplaneten (zurzeit jedenfalls).
Ich will hier jetzt nicht die Studenten im Allgemeinen schlecht machen, wie gesagt, sie können ja nichts dafür. Aber woher kommt diese Realitätsferne? Wenn man sich einmal in das letzte Jahrtausend versetzt. Damals, als es noch rau zuging, gab es den Schmied. Die Schmiede ansich war entweder ein Familienunternehmen oder es kamen Lehrlinge hinzu. Damals musste keiner wie heute in die Berufsschule und dort lernen, wie man am besten eine Schmiede gründet. Nein, man praktizierte meisten „learning by doing“, was in gewisser Weise auch viel besser ist, als das stupide auswendig lernen in der Uni oder Schule für eine Prüfung. Man lernte direkt, wie man schmiedet, ohne den ganzen Theoriekram. Ich will nicht behaupten, dass das der Weisheit letzter Schluss ist. Eigentlich wäre das duale Studium der ideale Weg, nur gibt es immer noch ein Problem, die Uni. Wenn man sich mal den Werdegang von Lehrern und Professoren anschaut, ja, ich weiß, es gibt Ausnahmen, dann fällt auf, die waren nie im richtigen Leben. Von der Schule zur Uni und dort geblieben oder zur Schule zurück. Da gibt es keine große Chance für BWL-Professoren sich mal in der Wirtschaft umzuschauen. Um mal wieder auf den Schmied zurück zu kommen. Wer durfte dort ausbilden? Es hatte schon einen Grund, warum es Lehrlinge, Gesellen, Meister, u. a. gab. Genauso sollte es auch heute wieder sein. Nur Leute mit Berufserfahrung können Wissen weiter geben, daher sollte sich die Gesellschaft von den Jungprofessoren oder Führungskräften abkehren. Die jungen Leute haben eben nicht diese Erfahrung, nur die theoretische, die ja nicht mal unsere Politiker beherrschen. Wie habe ich doch im Politikunterricht gelernt, bei einer schwachen Wirtschaft sollten die Steuern gesenkt werden, also antizyklisch agiert werden. Was machen die Politiker? Es ist ihnen eigentlich egal, Hauptsache das Geld fließt in ihre Tasche. Sich dann noch zu beschweren, das es einen Aufschrei gibt, wenn ein Abgeordneter seinen Urlaub abbricht und mit der Flugbereitschaft für einen Tag nach Deutschland fliegt und damit mal eben 50.000 Euro Steuergelder verschwendet, dem kann nicht mehr geholfen werden. Sehr gut fand ich die Aussagen von Herzog, unserem ehemaligen Bundespräsidenten, der im Spiegel sagte, er wüsste nicht, ob er beim Anblick der heutigen Politiker weinen oder lachen soll.